dinsdag 19 juli 2011

"Een nieuwe fase, die een heldere beslissing vergt"

In Oostenrijk hebben meer dan 250 priesters en 50 diakens een publiekelijke "Oproep tot ongehoorzaamheid" ondertekend. Ze beloven daarin plechtig en roepen collega-priesters ertoe op vanaf heden: de communie ook uit te reiken aan wie het geloof van de Kerk niet deelt; te weigeren op zondag zelf meer dan één Mis te lezen of ortsfremde priesters uit te nodigen als er in de parochie op zondag anders geen Mis kan zijn; woco's gelijk te verklaren aan de eucharistieviering; ook "competent gevormde leken en godsdienstleraressen" de preek te laten houden; ernaar te streven dat parochies geleid gaan worden door leken, gehuwde priesters, deeltijdpastores, dat vrouwen priester kunnen worden, enz. enz. Kortom, het hele hier te lande bekende en beproefde verhaal.

Moeilijk te begrijpen blijft waarom men vanuit "progressieve" katholieke gebieden als België, Duitsland en Oostenrijk nu nooit eens kijkt naar wat dit soort fantastische hervormingen voortgebracht hebben daar waar ze decennialang ruim baan hebben gekregen. In Nederland bestaat alles waar de Oostenrijkse Pfarrer van dromen, en wel al sinds de jaren zestig. En wat zien we? De woco's, al dan niet geleid door kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen, zitten net zo vol als het plein van een Frans bergdorp op een hete zomervoormiddag. De enige (basis)gemeenschappen waar nog leven is, zijn die welke trouw proberen te zijn aan de Wereldkerk, en niet alleen officieel. Hoe zou dat komen?
Beroepstheologen zoals Bosman van de FKT, die in Nederland jarenlang voorgangers hebben opgeleid volgens het ideaal van de Oostenrijkse Pfarrer, verklaren nu laconiek dat "het verval van de katholieke kerkelijke instituties een onomkeerbaar proces is" en dat het katholicisme alleen "buiten de kerk om" kan herleven. Een contradictio in terminis, maar logisch eindpunt van een dure en rampzalige ideologische blikvernauwing. Hopelijk gaan ze op zeker moment de tegenspraak ervan inzien en er wetenschappelijke (en gewetensvolle) conclusies uit trekken.

Onder meer hiertoe roept kardinaal Schönborn, aartsbisschop van Wenen, op in zijn antwoord op het "Pfarrer-initiatief". Een heldere brief, die wij hier graag publiceren:
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Brüder und Schwestern!
Und diesmal besonders: Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Der Vorstand der "Pfarrer-Initiative" hat am Dreifaltigkeitssonntag (19. Juni) einen "Aufruf zum Ungehorsam" veröffentlicht. Ich wollte nicht sofort reagieren, um nicht im Zorn und in der Trauer zu antworten, die dieser Aufruf in mir ausgelöst hat. Bei der Priesterweihe am 24. Juni habe ich in meiner Predigt indirekt darauf Bezug genommen. Mich erschüttert der offene Aufruf zum Ungehorsam. Wie würden in unserem Land die Familien aussehen, wenn Ungehorsam zur Tugend erhoben würde? Viele Berufstätige fragen sich, wie es möglich ist, in der Kirche den Ungehorsam zu propagieren und zu praktizieren, wo sie wissen, dass sie ihren Arbeitsplatz längst verloren hätten, wenn sie dort zum Ungehorsam aufriefen.
Wir Priester haben alle bei unserer Weihe aus freien Stücken, von niemandem dazu gezwungen, dem Bischof "Ehrfurcht und Gehorsam" in die Hand versprochen und vor der ganzen Gemeinde laut und deutlich gesagt: "Ja, ich verspreche es". Steht ihr dazu? Kann ich, können die Gemeinden sich darauf verlassen? Als Bischof habe ich auch dem Papst treue Gemeinschaft und Gehorsam versprochen. Ich will dazu stehen, auch wenn es Momente gegeben hat, wo das nicht leicht war.
Der christliche Gehorsam ist eine Schule der Freiheit. Es geht um die konkrete Übersetzung ins Leben von dem, was wir in jedem Vaterunser beten, wenn wir den Vater bitten, sein Wille möge geschehen, im Himmel und auf Erden. Diese Bitte erhält ihren Sinn und ihre Kraft durch die innere Bereitschaft des Beters, den Willen Gottes auch dort anzunehmen, wo er von den eigenen Vorstellungen abweicht. Diese Bereitschaft konkretisiert sich auch im kirchlichen Gehorsam dem Papst und Bischof gegenüber. Sie kann manchmal Schmerzliches abverlangen.
[...] Da die von den Initiatoren der "Pfarrer-Initiative" geforderten Reformen noch immer nicht erfolgt sind, und da die Bischöfe, so meinen sie, untätig sind, sehen sie sich gezwungen, "dem Gewissen zu folgen und selbstständig tätig zu werden".
Wenn es zur Gewissensfrage wird, dem Papst und dem Bischof gegenüber ungehorsam zu werden, dann ist eine neue Stufe erreicht, die zu einer klaren Entscheidung drängt. Denn dem Gewissen ist immer Folge zu leisten, wenn es ein geformtes und sich selbst kritisch prüfendes Gewissen ist. Der selige Franz Jägerstätter hat in einsamer Gewissensentscheidung den Kriegsdienst in Hitlers Armee verweigert, um den Preis seines Lebens. Der selige John Henry Newman kam in einem jahrelangen intensiven Ringen zur Gewissheit seines Gewissens, dass die anglikanische Kirche von der Wahrheit abgewichen ist und dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche weiterlebt. So verließ er seine Kirche und wurde katholisch. Wer also im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass "Rom" auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen. Ich glaube und hoffe aber, dass dieser äußerste Fall hier nicht eintritt.
Ich muss nicht jeder kirchlichen Entscheidung, vor allem im disziplinären Bereich, meine Herzenszustimmung geben, und ich darf mir auch ehrlich andere Entscheidungen der Kirchenleitung wünschen. Wenn aber der Papst immer wieder – etwa in der Ämterfrage - klare Vorgaben nennt und die geltende Lehre in Erinnerung ruft, dann stellt die Aufforderung zum Ungehorsam doch die kirchliche Gemeinschaft in Frage. Letzen Endes muss sich jeder Priester, müssen wir uns alle entscheiden, ob wir den Weg mit dem Papst, dem Bischof und der Weltkirche gehen wollen oder nicht. Abstriche von eigenen Vorstellungen zu machen, ist immer schwer. Wer aber das Prinzip des Gehorsams aufgibt, löst die Einheit auf.
Zu einem gemeinsamen Weg habe ich in meinem Hirtenbrief eingeladen. Ich habe einen sehr konkreten Weg vorgeschlagen: Dass wir die Mission an die erste Stelle setzen, und alles an ihr ausrichten, allem voran das Bemühen, selber neu und besser Jünger und Jüngerinnen Jesu zu werden. Daran wird "die Welt" erkennen, ob Nachfolge Jesu sich lohnt, ob Kirche Jesu Christi zu sein, wirklich etwas Heilsames bringt. In dieser Perspektive stehen auch alle Bemühungen um Strukturreformen.
Den "Aufruf zum Ungehorsam" halte ich für keinen hilfreichen Schritt. Ich werde zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein Gespräch mit den Vertretern der "Pfarrer-Initiative" führen. Ich werde sie besonders auch auf einige Ungereimtheiten in ihrem "Ungehorsams-Programm" hinweisen, etwa die Formulierung "priesterlose Eucharistiefeier" oder die abschätzigen Bemerkungen über Priesteraushilfen als "liturgische Gastspielreisen". Nur ein von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Stil hilft uns weiter, wie wir ihn beglückend in den drei Diözesanversammlungen erleben durften.
Ich bin nun bald 20 Jahre Bischof. Der Bischof hat den Dienst der Einheit; für die eigene Diözese und mit dem Papst und der Weltkirche. Ich mache diesen Dienst mit Freude. Ich erfahre viel Schönes, erlebe aber auch mache schmerzliche Verwundung der Einheit. Zu diesen Wunden gehört der "Aufruf zum Ungehorsam". Ich rufe auf zur Einheit, um die Jesus den Vater gebeten (vgl. Joh 17,21) und für die er sein Leben hingegeben hat. Er helfe mir in meinem Dienst, das Band der Einheit in Liebe und Wahrheit zu erhalten.

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen allen

Ihr
+ Christoph Kardinal Schönborn

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